Hier findest du die Lebensrede zum anhören

Wir haben unten einige Links zum direkten reinhören bereitgestellt.

Triggerwarnung: Sollten dich Themen rund um den Tod gerade sehr belasten oder triggern, ist die Geschichte von Schmiddi vielleicht nichts für dich und du solltest sie nicht oder zu einem späteren Zeitpunkt anhören.



Hier kannst du den Originaltext nachlesen:

„When you walk through a storm, hold your head up high. And don’t be afraid of

the dark. At the end of a storm, there’s a golden sky. And the sweet silver song of

the lark“

Lieber Schmiddi… wir haben lange überlegt, wie man das hier macht. Wie

man dich verabschiedet, ohne dass es sich falsch anfühlt, zu… glatt. DAS

wäre nix für dich gewesen. Zu leise aber auch nicht. Und bloß nicht zu

geschniegelt, denn DANN hättest du gesagt:

„Was ist denn das hier für’n Empfang? Wir sind doch nicht beim Papst!“

Du, der immer mittendrin war: mitten im Leben, mitten unter uns, und damit

in den besten Geschichten. Nun stehen wir in DEINER.

Und seien wir ehrlich… selbst jetzt liegt er noch irgendwo zwischen den

Stühlen: dein rabenschwarzer Humor. So schwarz, dass man kurz

schlucken musste, um danach…. zu lachen. Über deinen verdammten

Sarkasmus!

Der Tod stand längst mit im Raum. Aber du… hast ihn behandelt wie ’nen

ungebetenen Gast: „Setz dich, halt die Klappe oder bring wenigstens ’n Bier

mit.“

Selbst als die Krankheit dir die Haare nahm, hast du ihr nicht die

Genugtuung gegeben, dich kleinzukriegen. Keine Haare auf dem Kopf, aber

immer noch genug da oben drin, um Sprüche rauszuhauen, die sitzen. Bis

zum letzten Augenblick hast du…. das Leben raus gehauen!

Schmiddi… es ist verdammt still geworden. Aber es ist nicht diese schöne

Stille, sondern die, die nicht entscheiden kann, ob sie Schmerz oder

Erinnerung sein will. Wir halten uns fest an unseren halb geleerten Astra-

Flaschen und denken im Refrain: DU FEHLST!

Natürlich bist du wahrscheinlich überall, aber fühlbar tief in so vielen

Herzen, in verdammt vielen Bildern, Anekdoten und eben den unzähligenGeschichten, die jeder von uns mit dir verbindet.

Wir hören dich… in deiner Musik. Sie war für dich kein Hintergrundrauschen,

sondern Hauptprogramm, Soundtrack, Lebenselixier.

So sehr, dass du sogar für deinen eigenen Abgang schon die Playlist fertig

hattest, wo andere ihr Testament schreiben. Ne, die Songs, die…. ja, die

passen!

Schmiddi, du BLEIBST! In deinem Grinsen, wenn du sogar über schlechte

Witze lachen musstest. Du bleibst… in diesen Momenten, in denen wir kurz

innehalten und denken: ‘Das hätte Schmiddi jetzt gesagt’.

Eben typisch DU… mit der großen Klappe bis zum Schluss.

Selbst noch im Hospiz Freches auf den Lippen, bei dem deine Pfleger nicht

wussten, ob sie lachen oder dich ermahnen sollen. Doch dein Motto war

klar: „Macht nicht so’n Theater, bloß nicht son Bohai um mich, ich geh schon

irgendwann – aber dann richtig!“

Doch vorher kauftest du noch Konzerttickets… für nächstes Jahr. Mitten im

Endstadium. Das ist Haltung! Das ist dieses „Ich leb jetzt – der Rest kann

warten!“

Wir wussten, dass du eine Riesenlücke hinterlässt. Und die ist verdammt

spürbar. Und wir… müssen das alles irgendwie greifen. Das Fatale ist: man

denkt doch immer, man hat Zeit, sich vorzubereiten, bis… er da ist. Der

Moment, der einem den Teppich unter den Füßen wegzieht.

Aber selbst da… hast du wieder genau DEIN Ding gemacht. Suchtest dir

dein Grab schon aus – na klar, den schönsten Platz unter den Sonne. Doch

nicht nur das – DU hast sogar drauf getanzt! DU… du kannst das!

Weil selbst das ein Moment war, den man feiern kann. Dürfen wir schon

weinen oder lieber lachen? Über dich, den Genussmenschen, den es kein

zweites Mal so gibt!Heute… geht es uns nicht um die richtigen Worte, sondern um die echten.

Eben hast noch DU die verrücktesten Geschichten erzählt, wie sie dir

passiert sind. Geschichten von Nächten, die länger wurden als geplant. Von

Gesprächen, die irgendwann ehrlich wurden, weil sich keiner mehr

verstellen musste.

Und lief was schieß, hast du gesagt: „Komm her. Setz dich. Trink was. Wird

schon wieder.“ Und irgendwie wurde es das auch. Zumindest etwas leichter.

DAS fehlt. DU fehlst! Und wir… müssen das irgendwie hinkriegen…

weitermachen in deinem Sinne! Aber versprochen: wir lassen niemand

nüchtern nach Hause gehen. Und JA, wir setzen ihn ins Taxi, versprochen!

Und wenn irgendwo noch ein Mettbrötchen liegt…dann wissen wir: du bist

nicht weit!

Diese Stille in unserer Mitte wird uns noch lange begleiten. Jeder von uns

wird nicht nur einmal sagen: „Er fehlt.“ Und niemand würde jemals

widersprechen! Das ist so wahr wie die Tatsache, dass du irgendwie nicht

ganz weg bist.

Du bist kein Stern, du bist viel mehr – DAS werden wir immer wieder

erzählen. Wir werden ein paar Sprüche von dir klauen und uns bei mancher

Entscheidung fragen: ’Was hätte ER jetzt gemacht?“

Du bist in diesem Mut, das Leben nicht geschniegelt zu nehmen, sondern

mit beiden Händen. Selbst, wenn’s klebt, es stinkt oder schiefgeht.

Vielleicht ist genau DAS eben auch ABSCHIED: dass etwas nicht endet,

sondern den Besitzer wechselt.

Wir tragen deine Geschichten und deine Art, wie du das Leben gesehen

hast, ein bisschen weiter. Schon dein Blick aufs Leben eilt uns nach: „Mach

doch einfach, verdammt nochmal“

Ja. Das werden wir. Zumindest es versuchen, so gut es geht. Und wirwerden dabei Fehler machen, denn wir sind nicht… DU!

Du…. sitzt wahrscheinlich grade auf ner dicken Wolke und grinst dir einen.

Typisch, dieses Grinsen, bei dem wir nie wussten: ‘Kommt da jetzt noch

was?’

Vielleicht sitzt du auch irgendwo auf den Rängen, weil St. Pauli gerade

spielt. Kein Spiel hast du verpasst. Uns hörst du singen:

„When you walk through a storm…“ Und jeder weiß: „You’ll never walk

alone!“ Dein Song. Dein Ding. Dein Versprechen.

Schmiddi… wir lassen dich weder los, noch halten wir dich fest. Wir tragen

dich in uns. In dem Chaos, das du uns hinterlassen hast, weil wir uns jetzt

neu zusammenfinden müssen. In Gedanken hören wir dich sagen: „Hab ich

doch gesagt, wird nicht langweilig.“

Nein, irgendwie nicht. Das Laute, das Unangepasste, Lebendige.. dein

SEIN…. wir vermissen es! Und das ist richtig so!

Was sollen wir noch sagen? In Hamburg sagt man nicht „Leb wohl“ Viel zu

pathetisch. Man sagt ‚Tschüss‘.

Es tut weh. Weil man dich nicht ersetzen, nicht nachbauen, nicht kopieren

und nicht mal in Worte pressen kann, die groß genug wären. Du fehlst… auf

eine Art, die keinen Vergleich kennt. Du fehlst, wenn jemand sagt: „Das wird

schon wieder“, Du fehlst… in diesen Momenten, die eigentlich ganz normal

sind. Aber sie sind es eben nicht mehr.Du bleibst… im Anstoßen der

Flaschen, wenn keiner was sagt und alle wissen, warum. Du bist in diesem

einen Platz am Tisch, der frei bleibt, weil keiner ihn füllen kann.

Du hast Spuren hinterlassen, die sich festsetzen. Und was für welche!In

deiner Partnerschaft, deiner Vaterschaft, besten Freundschaften und in

verdammt viel Schabernack.

Dein Abschied heute…. eher wie eine letzte Geburtstagsfeier… sogar mitHäppchen von Erika, mit Horden von Menschen, die klingen wie es sonst

auch klingt an einem deiner Lieblingsplätze: im Stadion.

Jedem von uns hast du was hinterlassen. Etwas, das größer ist als dieser

Moment:

Du hast uns gezeigt, dass man das Leben nicht auf später verschieben

kann. Dein „Nur kurz auf ein Bier!“ hat nie gestimmt! ‘Kurz’ war bei dir ein

deeeehnbarer Begriff. So wie Zeit. Ging auch nicht anders, wenn wir

zusammensaßen und nach dem 3. Astra aus Gelaber plötzlich Tiefe wurde.-

Du hast uns gezeigt, dass man lachen darf, auch wenn’s gerade Scheiße

ist! Dass man weinen darf, ohne sich zu erklären. Dass man ehrlich sein

darf, selbst wenn’s unbequem wird. Und dass es manchmal reicht, einfach

zu sagen: „Komm her. Ich bin da.“

Vielleicht ist das dein Vermächtnis. Es liegt in dem, wie wir miteinander

umgehen. Wie wir uns erinnern. Wie wir weitermachen und du uns zurufst:

„Na, geht doch!“

Wo immer du gerade bist… ganz sicher überall… sei dir sicher: dieses Mal

warst du nur schneller. Aber wir…. sehen uns wieder. Und bis dahin passen

wir auf deine Mädchen auf!

THEY NEVER WALK ALONE!

Conni Köpp ist Lebensrednerin in Hamburg. Sie begleitet Abschiede und Hochzeiten ausserdem schreibt sie auch fantastische Bücher. www.abschiedmalanders.de

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